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Essen und Trinken - überlebensnotwendig, auch im Alter

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Die Gelassenheit in der Finanzkrise


Senioren lassen sich nicht zu unbedachten Entscheidungen hinreissen

Mit zunehmendem Alter wird man gelassener. Diese Erkenntnis hat sich inzwischen herumgesprochen und gehört zum Allgemeinwissen.

Ist die Gelassenheit doch eine der positiven psychischen Veränderungen, die Senioren – und hier insbesondere Männer im fortgeschrittenen Alter – kennzeichnen.

Im Oktober 2008 ist nun die Finanzkrise über uns alle hereingebrochen. Innerhalb kürzester Zeit sind die Börsenkurse abgestürzt und die ersten Banken in Schwierigkeiten geraten. Und trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen der Politik hat sich die Talfahrt an der Börse fortgesetzt. Auch Senioren waren überrascht und bestürzt – egal wie stark sie direkt betroffen waren. Das Institut SENIOЯRESEARCH hat am 10. Oktober 2008 – also mitten in der ersten Schockphase – in Gruppendiskussionen im Rahmen seines Senioren-Taxis das Thema Finanzkrise aufgegriffen und aktuelle Reaktionen von männlichen Ruheständlern im Alter von 57 bis 75 Jahren eingefangen.

Wie die folgenden Zitate belegen, war die persönliche Betroffenheit der Diskussionsteilnehmer sehr groß:

„Die Finanzkrise beschert mir im Moment manche schlaflose Nacht, denn das betrifft meine Alterssicherung. Ich bekomme zwar zwei Renten, aber wenn das Geld weg wäre, dann wäre ich auch arm.“

„Wenn alles, was man sich so mühsam erspart hat, auf einmal weg wäre, das wäre ein Albtraum. Ich könnte zwar weiterleben; aber alles, was man sich so im Alter noch gönnen möchte, das ginge dann nicht mehr.“

„Wenn man noch etwas im Leben steht, muss man die allergrößten Ängste bekommen, weil man einfach nicht in der Lage ist zu überblicken, wie diese ganzen Zusammenhänge sind.“

„Ich habe Angst, dass viele Arbeitsplätze wegfallen. Die Autoindustrie muss die Produktion runterfahren, weil die Geschäftsleute kein Geld mehr haben. Das geht alles wie eine Lawine.“

„Also ich sage es ehrlich: Ich habe ganz erheblich verloren. Ich gucke mir das morgens immer bei mir im Computer an; und wenn ich mich bis Anfang des Jahres zurückerinnere, sind fast 40% meines Vermögens weg.“


Die Finanzkrise in ihrem Ausmaß war für fast alle eine absolut neue Erfahrung; an eine solche Situation auf dem Finanzmarkt kann man sich nicht erinnern. Die Schuld für die Krise wird den Banken und weiteren Finanzdienstleistern gegeben; für die meisten ist der gesamte Finanzmarkt so unseriös geworden, dass jetzt der Staat eingreifen und endlich Ordnung schaffen sollte.

Betroffenheit durch die Finanzkrise

Quelle: SENIOЯRESEARCH
(Basis: Geschlossene Frage im Rahmen von 4 Gruppendiskussionen, n=27 Ruheständler von 57 bis 75 Jahren, abs.)

Auswertung einer Umfrage zum Thema Finanzkrise

Die Ergebnisse können aufgrund der geringen Basis natürlich nicht verallgemeinert werden; sie geben aber doch einige qualitative Hinweise auf die Psyche von Ruheständlern. Ein Teil der Ruheständler hat schon Angst, dass ihr mühsam erspartes Geld durch die Finanzkrise nichts mehr Wert ist. Diese Angst geht aber meist nicht soweit, dass sie ihnen nachts den Schlaf rauben würde.

Die Ängste, die durch die Finanzkrise ausgelöst werden, sind relativ selten direkte Existenzängste. Sie beziehen sich meist auf den Finanzmarkt insgesamt oder auf die Gesamtwirtschaft: Risikobehaftete Kapitalanlagen sind weniger Wert, die Inflationsgefahr wird größer, das Wirtschaftswachstum verringert sich und die Arbeitslosigkeit wird steigen. Das Vertrauen in die Banken ist nachhaltig gestört und die Gefahr einer politischen Radikalisierung gegeben.

Ängste aufgrund der Finanzkrise

Ängste aufgrund der Finanzkrise - Umfrage bei über 60-jährigen Menschen

Trotz solcher Ängste reagieren Senioren aber relativ gelassen auf die Finanzkrise. Ihre Lebenserfahrung – auch in Finanzdingen – führt meist dazu, dass sie dieses Problem relativieren, aus der nötigen Distanz betrachten, nicht in unbedachte Hektik ausbrechen und mögliche Handlungsalternativen gut durchdenken, ehe sie Entscheidungen treffen. Die Generation 60plus hat schon manche Krise überstanden und gelernt, dass sich übereilte  Entscheidungen in der Regel nicht auszahlen.


Im Alter wirkt die Finanzkrise auch nicht mehr ganz so bedrohlich wie in jüngeren Jahren. Mögliche negative Auswirkungen wie Rezession,reduziertes Wirtschaftswachstum oder erhöhte Arbeitslosigkeit tangieren Ruheständler weniger als Arbeitnehmer, die noch mitten im Arbeitsprozess stehen und noch viele Jahre des Berufslebens vor sich haben.


Hinzu kommt, dass für viele Senioren die Finanzkrise nicht mehr so relevant ist wie für jüngere Anleger: Ab einem gewissen Alter – natürlich auch vor dem Hintergrund negativer Erfahrungen mit Kapitalanlagen – ist man beim eigenen Kapital nicht mehr so risikobereit wie in früheren Jahren. Zu oft hat man schmerzlich erfahren (oder von anderen gehört), dass das investierte Geld nicht die erwartete Rendite gebracht hat, sondern im Wert verloren hat. Je mehr man das eigene Kapital zum Zweck der „Alterssicherung“ vorsieht bzw. je näher der Zeitpunkt rückt, zu dem man das Geld imAlter braucht, um so vorsichtiger und sicherheitsbewusster wird man bei der Wahl der Kapitalanlage. Man will dann den „Notgroschen“ nicht mehr mutwillig auf’s Spiel setzen.


Die Gelassenheit von Senioren in der Finanzkrise drückt sich auch dadurch aus, dass sie überwiegend der Meinung sind, die beste Strategie sei es jetzt abzuwarten, bis sich die Finanzlage wieder beruhigt hat.


Selbst diejenigen Senioren, die in Aktien, Aktienfonds oder Zertifikate investiert haben und akuten Handlungsbedarf sehen, tendieren dazu, nur absolut notwendige Verkäufe oder Umschichtungen vorzunehmen und darüber hinaus in Ruhe abzuwarten, wie sich der Finanzmarkt weiter entwickelt.


„Die Devise heißt: Ruhe bewahren und nicht in Hektik verfallen.“

„Ich bin auch der Meinung, wir sollten uns nicht verrückt machen lassen. Wir sollten ganz einfach Ruhe bewahren, abwarten und uns gut informieren.“

„Uns bleibt ja gar nichts anderes übrig. Wir müssen warten, bis sich die Märkte beruhigt haben. Erst dann kann man irgendwelche Entscheidungen treffen.“

„Ich habe einen Teil meines Geldes flüssig gemacht um eventuell in den nächsten Wochen in Aktien zu investieren – die sind jetzt günstig zu bekommen.“

„Wenn ich jetzt mein ganzes Geld abhebe, erreiche ich das Gegenteil; dann wird die Krise noch größer. Das heißt: der Staat und die Banken haben dann keine Kraft mehr um wirtschaften zu können.“

„Nach dem 11. September war ja auch alles im Keller. Irgendwann geht es wieder los.“


Als geeignete Informationsgrundlage für entsprechende Finanzentscheidungen werden vor allem die Medien, insbesondere qualifizierte Analysen und Hintergrundberichte in Tageszeitungen und Fachzeitschriften, angesehen. Daneben aber auch – und dies unterstreicht einmal mehr die Gelassenheit  der Senioren – die Finanzberater der eigenen Bank. Obwohl man gerade erlebt hat, dass auch die Banken die aktuelle Finanzkrise nicht  vorausgesehen haben, vertraut man nach wie vor auf deren Kompetenz und auf deren Bereitschaft, Empfehlungen zugunsten des Bankkunden zu geben.

Die Gelassenheit von Senioren in der Finanzkrise ist damit eine gute Voraussetzung, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie ist nicht Ausdruck von Desinteresse oder von Dummheit, sondern sie ist ein Indikator für die Überlegtheit und Überlegenheit der Zielgruppe 60plus, wenn es darum geht, Krisen zu überstehen, Entscheidungen zu durchdenken und Probleme zu lösen.


Abdruck mit freundlicher Genehmigung der
SENIOЯRESEARCH
Institut für Seniorenforschung
Heerstraße 50
60488 Frankfurt am Main
Tel: 069 - 74745850
Fax: 069 - 97670222
Email: info@seniorresearch.de
Internet: www.seniorresearch.de
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